




Für seine Verdienste um die Rebsorte Räuschling und die Geschichte der Hefe 1895 wurde Hermann «Stikel» Schwarzenbach am 22. November 2025 auf unserem Weingut mit dem Prix Ami du Vin der Schweizerischen Vereinigung der Weinfreunde ausgezeichnet.
Bescheiden hält Stikel fest, dass nicht er, sondern der Weinmikrobiologe Jürg Gafner die Hefe 1895 im Jahr 2008 entdeckt hat. Doch wie kam es dazu? Bei einer Degustation mit Stikels Vater wurde eine Flasche Räuschling aus dem Jahr 1895 geöffnet – erstaunlich gut erhalten. Die Dekantierreste nahm Jürg Gafner mit in sein Labor und setzte sie auf Nährboden. Tatsächlich konnte er zwei Hefestämme der Art Saccharomyces cerevisiae isolieren: 1895A und 1895C.
Gafner vermehrte beide Stämme und brachte sie im Herbst erstmals auf das Weingut Schwarzenbach. Stikel wagte daraufhin einen Gärversuch mit 25'000 Litern – ein mutiger Schritt, aber getragen vom Vertrauen in die Qualität des 1895er Weins. Der Versuch gelang hervorragend.
Heute ist die Hefe 1895C offiziell erhältlich und schreibt weiterhin Zürisee-Weingeschichte.





Die Freude an Forschung und Laborarbeit scheint bei den Schwarzenbachs in der Familie zu liegen. Bereits der Urgrossvater arbeitete als Assistent von Hermann Müller-Thurgau an der Kaiserlichen Preussischen Forschungs- und Lehranstalt in Geisenheim, bevor er 1912 das Weingut von 1739 übernahm.
Dieses Interesse setzte sich über den Grossvater und Hermann „Stikel“ Schwarzenbach bis hin zu Alain Schwarzenbach fort, der heute in fünfter Generation das Weingut am Zürichsee führt und für sein Tüftlergen bekannt ist.





Stikels grosse Leidenschaft gilt dem Räuschling, einer Traubensorte, die einiges an Fingerspitzengefühl verlangt. Nachdem sie am Zürichsee über Jahre beinahe verschwunden war, setzte sich Stikel während seines gesamten Berufslebens dafür ein, diese traditionelle Sorte wieder heimisch zu machen.
Heute erlebt der Räuschling mit seiner filigranen Zitrus- und Veilchenaromatik eine beeindruckende Renaissance und wird in der Gastronomie wie auch bei Gästen rund um den See geschätzt.
Besonders in Kombination mit Zürichseefisch zeigt er seine ganze Stärke und beweist, wie sehr er in diese Region gehört.